19. November  2025

Ein kritischer Essay über selektive Blindheit, ideologische Komfortzonen und die Unfähigkeit, angesichts des russischen Vernichtungskrieges gegen die Ukraine Täter und Opfer zu benennen.

DUOD logo ohne tp2Vorbemerkung

Während dieser Text entsteht, schlagen russische Raketen in die westukrainische Stadt Ternopil ein – eine von vielen angegriffenen Städten. Zivile Gebäude brennen, Menschen sterben. Kein militärisches Ziel, kein strategischer Nutzen – nur Terror gegen die Zivilbevölkerung. Es ist ein Muster, das sich seit drei Jahren täglich wiederholt.

Währenddessen formieren sich in Deutschland weiter Initiativen, die für einen "sofortigen Waffenstillstand" demonstrieren wollen. Sie appellieren an Putin und Selenskyj gleichermaßen, als stünden beide auf derselben moralischen Ebene. Als könnte die Ukraine einfach aufhören zu kämpfen – und alles würde gut.

Dieser Essay versucht, die Augen zu öffnen – und zu erklären, warum das so oft nicht gelingt.


Es schmerzt jeden Ukrainer und jede Ukrainerin bis ins Mark: Freunde, Verwandte und Bekannte werden verletzt, vertrieben, gefoltert oder getötet – und ein Ende ist nicht abzusehen. Niemand will diesen Krieg. Niemand wünscht sich Leid, Tod oder Zerstörung. Aber es gibt keine Alternative zur Verteidigung.

Gerade weil viele wohlmeinende Menschen im Westen glauben, man solle kein „Öl ins Feuer gießen" und „Waffen hätten noch nie Frieden gebracht", muss eines unmissverständlich ausgesprochen werden:

Wenn die Ukraine keine Waffen hätte, gäbe es Frieden – den Frieden der Unterworfenen, der Deportierten, der Verschwundenen. Den Frieden auf dem Friedhof.

Frieden und Freiheit sind keine Naturzustände, keine Geschenke und keine moralischen Dividenden gut gemeinter Appelle. Sie müssen – leider – erkämpft und verteidigt werden. Nicht mit Parolen, nicht mit Wunschdenken, sondern mit Widerstand. Mit Mut. Und manchmal mit Heldentaten, die niemand wählen würde, die aber notwendig sind, wenn ein Volk nicht ausgelöscht werden soll.

DUOD Logo29. März 2025 - Die Zeit der Illusionen ist längst vorbei. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist kein entgleister Konflikt, sondern ein blutiger Kolonialkrieg – eine gezielte Aggression, geführt mit den Mitteln des 19. Jahrhunderts, mitten im 21. Jahrhundert. Er ist auch ein Testfall dafür, ob Europa in der Lage ist, seine freiheitliche Ordnung zu verteidigen – oder ob es bereit ist, sich schleichend unter ein neoimperiales System russischer Prägung zu beugen.

Der Westen muss erkennen: Putin versteht nur Stärke

Während europäische Demokratien über Optionen diskutieren, handelt der Kreml. Die russische Rüstungsindustrie produziert inzwischen mehr Panzer als alle NATO-Staaten zusammen. Dies ist kein Ausdruck von Stärke, sondern der Beleg dafür, dass Russland sein gesamtes wirtschaftliches und gesellschaftliches System auf Krieg umgestellt hat – in der Hoffnung, den Westen durch schiere Masse zu überrollen, sollten die USA als Schutzmacht ausfallen.

Generalleutnant Jürgen-Joachim von Sandrart, bis 2024 Kommandeur des Multinationalen Korps Nord-Ost in Stettin und derzeit Senior Fellow am German Institute for Defence and Strategic Studies, bringt es auf den Punkt: „Ich kann den Begriff ‚Zeitenwende‘ nicht mehr hören. Und auch ‚Kriegstauglichkeit‘ nicht. Das alles verpufft am Ende und das liegt an uns. Wir brauchen eine Kehrtwende, die sich nicht ausschließlich auf den monetären Aspekt bezieht. Es sind die Prozesse und die darin involvierten Menschen, die den Systemfortschritt verhindern. Das gilt es, neu zu organisieren.“ (Quelle: Focus/MSN-Artikel)

09.03.2025

Witalij Portnikow, jüdisch-ukrainischer JournalistDer Krieg Russlands gegen die Ukraine ist nicht nur ein geopolitischer Konflikt, sondern auch ein Ausdruck fundamentaler Unterschiede in der Wertschätzung des menschlichen Lebens. Während demokratische Gesellschaften den Schutz des Individuums als oberstes Gut betrachten, zeigt die russische Kriegsführung, dass Menschenleben als entbehrliche Ressource betrachtet werden.
Menschenleben haben hat in Russland einen viel geringeren Wert als in den Vereinigten Staaten. Wenn es um große Kriege geht, gewinnt in der Regel der Staat, in dem Menschenleben weniger geschätzt werden. Der Staat, in dem das Leben höher geschätzt wird, verliert meistens. Dies zeigt sich deutlich am Verlauf des Zweiten Weltkriegs.

Hitler konnte Frankreich erobern, weil die Franzosen schlichtweg nicht bereit waren, für den Widerstand ihr Leben zu opfern. Dasselbe galt für die Tschechen und die Niederländer. Die Mehrheit der Bevölkerung war bereit, sich dem Reich zu unterwerfen, nur um Zerstörung und Tod zu vermeiden. Die Briten hingegen kämpften auf ihrer Insel in einer anderen Ausgangssituation und hofften, eine Invasion abzuwehren. Länder wie Polen, die bereit waren zu kämpfen, gehörten zu Imperien, in denen der Wert des Menschenlebens – sei es unter russischer oder österreichisch-ungarischer Herrschaft – niedriger war als in Frankreich oder den Niederlanden.

Ratingen, 2. März 2025

ubuschDie letzten Wochen haben die Ukraine und Europa mit voller Wucht in die brutale Realität zurückkatapultiert.

Zuerst verkündete der US-Verteidigungsminister, dass die USA auf die Seite des Kriegstreibers und international gesuchten Kriegsverbrechers Putin wechseln und jede Verhandlungsposition für einen gerechten Frieden unter Einhaltung des Völkerrechts aufgeben. Die UN-Charta wurde zugunsten Russlands beiseitegeschoben. Die von Russland geschaffenen Realitäten seien nicht mehr Verhandlungsgegenstand und müssten akzeptiert werden. Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sei ausgeschlossen.

Empörung überall, scharfe Reden und Kritik auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Mit Spannung erwartet wurde die Rede von Vizepräsident Vance. Doch er schwieg zum Thema Ukraine und beschuldigte stattdessen Deutschland und Europa – während er seine wahre Mission als Lobbyist der weltbeherrschenden amerikanischen Internetplattformen verbarg –, die Meinungsfreiheit zu gefährden. Dies stellte er als eine weitaus größere Bedrohung dar als jene durch Russland oder China. Sein eigentlicher Angriff galt dem europaweiten Gesetz über digitale Dienste, das Plattformbetreibern Geldstrafen von bis zu 6 % des weltweiten Vorjahresumsatzes auferlegt, wenn sie illegale Inhalte wie Hassrede und Hetze im Internet zulassen. Seine Rede stammte höchstwahrscheinlich aus dem inneren Zirkel der Milliardäre um Trump – von X, Meta, TikTok und anderen, mit denen sich Trump umgibt und isoliert.

Schließlich der Eklat im Weißen Haus, der alles überschattet.

Heidelberg, 15. Februar 2025

Winfried Schneider-DetersBereits nach der Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten (am 5. November 2024) – noch vor seiner Inauguration – wurde der ukrainischen Regierung von Vertretern seines Teams signalisiert, dass sie die Frage der (Präsidentschafts)wahlen in der Ukraine in den angestrebten Friedensverhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin zur Sprache bringen würden. Nach den (widersprüchlichen) Signalen aus dem Weißen Haus in Washington, das seit Donald Trumps Rückkehr am 20. Januar 2025 zu einem Irrenhaus geworden ist, wurde der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten für die Ukraine („special envoy for Ukraine and Russia“), Generalleutnannt a. D. Keith Kellogg, am 1. Februar 2015 deutlich: Er stellte öffentlich die Forderung ("need to be done") nach ukrainischen Wahlen in den Raum. Die Trump Administration wolle, dass die Ukraine Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abhält, „möglicherweise bis zum Jahresende (2025), insbesondere dann, wenn sich Kyjiw mit Moskau auf einen Waffenstillstand einigen kann“, sagte General Keith Kellogg in einem Interview mit Reuters.[1] Kellogg begründete dieses Ansinnen an die Ukraine damit, dass „most democratic nations have elections in their time of war. […] I think it is good for democracy. That's the beauty of a solid democracy, you have more than one person potentially running. Mit “what a nonsense“ könnten diese Worte abgetan werden – wären da nicht die für die Ukraine gefährlichen Implikationen.

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