Die Geschichte der Ukrainischen Ärztevereinigung in Deutschland

Kategorie: Unsere Mitglieder

Ukrainischen Ärztevereinigung MünchenUkrainischen Ärztevereinigung MünchenNach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 befanden sich viele ukrainische Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Krankenschwestern in verschiedenen Lagern in Deutschland. Die meisten von ihnen arbeiteten in Krankenhäusern in Lagern für Vertriebene in den Städten Regensburg, Karlsfeld, Augsburg und München. Im Juli 1945 wurde am Ukrainischen Roten Kreuz (später in Sanitär- und Wohltätigkeitsdienst des SCC umbenannt) eine Abteilung von Ärzten gebildet, in der auf Initiative von Dr. Toma Vorobets und anderen Ärzten eine gemeinsame Ambulanz eingerichtet wurde. Die Ärzte dieser Ambulanz organisierten regelmäßige Mitgliederversammlungen und veranstalteten wissenschaftliche Vorträge.

Ebenfalls 1945 organisierte sich in der Stadt Regensburg unter der Leitung von Dr. A. Plitas die Ukrainische Ärztevereinigung in Deutschland. Im Mai 1946 veranstalteten ukrainische Ärzte in Karlsfeld den ersten wissenschaftlichen Kongress, an dem etwa 200 Personen teilnahmen und 15 wissenschaftliche Beiträge beisteuerten. Auf diesem Kongress wurde die Ukrainian Medical and Sanitary Association (UMSO) gegründet, die ukrainischen Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Krankenschwestern als Mitglieder vereinigte. Auf diesem Kongress wurde der Hauptrat der führenden Ärzte gewählt und so der Vorstand der UMSO gebildet; im Folgenden aufgezählt: Vorsitzender, Dr. J. Voevidka,* Stellvertreter Dr. M. Zhurko, Sekretär Dr. M. Grushka. Vorstandsmitglieder: Dr. T. Vorobets, Dr. Y. Radzykevych, T. Zalutsky als Vertreter der Apotheker und Frau N. Rushytska als Vertreterin der Krankenschwestern. Der UMSO gehörten ungefähr 200 Ärzte, mehrere Dutzend Apotheker und einige Krankenschwestern an. Das UMSO-Zentrum befand sich in München in den Räumlichkeiten der SCC-Ambulanz.
Im Jahr 1947 wurde in der Stadt Regensburg ein Krankenhaus der Internationalen Hilfsorganisation gegründet. Die Chirurgische Abteilung wurde von Dr. A. Andryivskyy** geleitet und Dr. B. Panasik war Direktor der Chirurgischen Klinik. Dort arbeiteten die Ärzte: M. Flunt, M. Kusik, Y. Iwanez, A. Chreptowsky, O. Zhidyak und R. Pripkan. Die Frauenheilkunde stand unter der Leitung von Dr. M. Chilak. Dort arbeiteten Dr. I. Iwanziw und A. Chreptowsky (https://uk.m.wikipedia.org/wiki/Хрептовський_Ахіль). Die Allgemeintherapie leitete Dr. B. Bilas und seine Mitarbeiter waren Dr. O. Yakhtorovich und Dr. Y. Horodylovsky. In der Laryngologie arbeitete Dr. I. Mriz und in der Zahnarztabteilung Dr. I. Kizik. Im Frühjahr 1948 fand in der Stadt Regensburg der Zweite Ärztekongress unter der Leitung von Professor B. Andrievsky statt. Während der letzten 2 Jahre der Tätigkeit des Haupt-Rats und Arbeitsgruppe UMSO wurden periodische Sitzungen organisiert.

In den Jahren 1948 - 1950 wanderte der Großteil der ukrainischen Mediziner aus Deutschland nach Amerika und Kanada aus, dies verminderte die UMSO Tätigkeit. Ca. 50 ukrainische Ärzte, die noch in Deutschland geblieben waren, gründeten auf Initiative von Professor W. Pluszcz*** im September 1952 die Ukrainische Ärztevereinigung und im Mai 1953 wurde sie in Ukrainische Ärztevereinigung in München (UÄVM) unbenannt. UÄVD umfasste: Vorsitzender Dr. E. Tuzhytsky; Stellvertreter Dr. V. Strontsitsky; Sekretär Dr. I. Mritz; Schatzmeister M. Ripetsky als Wissenschaftsreferent. Dr. Y. Hynylevich; Beziehungsbeauftragter Dr. B. Bilas. Die Ukrainische Ärztevereinigung in München hatte 46 Mitglieder, darunter 31 Ärzte und 15 Medizinstudenten. Der Vorstand der Gesellschaft organisierte nicht nur wissenschaftliche Sitzungen, sondern auch Feierlichkeiten zu ukrainischen Feiertagen (Neujahr 1954). Nach dem Wegzug von Dr. E. Tuzhytsky aus Deutschland im Jahr 1958 wurden die Aktivitäten der Gesellschaft fast gänzlich eingestellt.

Im Jahr 1975 wurden auf Initiative von Frau Dr. Nadja Pluszcz die Aktivitäten UÄVD wiederaufgenommen. Als nächster Vorsitzender UÄVD wurde Dr. W. Mialkowskyj gewählt. Er war der Nachfolger von Dr. Y. Hynylevich UMSO in München.
Im Jahr 1984 organisierte Dr. W. Myalkovsky den ersten Weltwissenschaftlichen Kongress, den Weltverband der Ukrainischen Medizinischen Gesellschaften (SFULT) in München. Aus der Berichten junger ukrainischer Ärzte aus Deutschland veröffentlicht wurden: Dr. A. Batruch, Dr. A. Melnyk, Dr. Daria Simkiv.
UÄVD war auf allen nachfolgenden Kongressen des SFULT vertreten, die seit 1990 in verschiedenen Städten der unabhängigen Ukraine stattfanden.

In den Jahren 1998 - 2006 war als Präsident UÄVD Dr. Dr. I. Harabacz aus München tätig.
Nach mehreren Jahren relativ mäßiger Aktivität wurde auf Veranlassung des damaligen Präsidenten des Weltverbandes SFULT, Dr. P. Dzhul, ****Chicago, eine erneute Wiederbelebung des ÜÄVD in München gestartet.
Zu diesem Zweck rief der in München gebürtige Arzt und Tierarzt Dr. Dr. Ihor Harabacz eine konstituierende Vollversammlung ein, in der eine Satzung erarbeitet wurde, welche die offizielle Registrierung als gemeinnützigen eingetragenen Verein als Ukrainische Ärztevereinigung in Deutschland e.V. ermöglichte. In den Jahren 1998 – 2006 wurden unter dem Vorsitz von Dr. Dr. Harabacz jährliche ordentliche Vollversammlungen durchgeführt.
In den Jahren 2007 - 2017 wurde Dr. A. Batruch Vorsitzender des UÄVD. Er bemühte sich, Verbindungen zwischen der UÄVD und der Bundesärztekammer sowie der Ärztekammer von Österreich und Finnland herzustellen. Seitdem haben Ärzte aus der Ukraine an Konsultationstreffen in Berlin, Wien, Helsinki und anderen Städten teilgenommen.
Auf Einladung der Deutschen Ärztekammer kommen jedes Jahr Ärztedelegierte aus der Ukraine nach Deutschland, um sich auf dem Deutschen Ärztetag zu treffen. Am Ende seiner Präsidentschaft organisierte Dr. A. Batruch die Vorkonferenz SFULT-UÄVD in Berlin, die im Sommer 2016 in Berlin stattfand.

Der nächste Präsident des UÄVD war Dr. W. Moros (Bayern) 2017 – 2019. Er organisierte aktiv Treffen mit den Mitgliedern der UÄVD und ukrainischen Ärzten aus der Heimat. Im August 2017 nahmen UÄVD-Delegierte am 50. Jahrestagdes UWC (Weltkongress der Ukrainer) Kyjiw- Lwiw teil. Es gab mehr als 400 Teilnehmer aus 38 Ländern, die mehr als 20 Mio Ukrainer auf der ganzen Welt repräsentierten.

Am 22. August 2018 fand im Büro der Bayerischen Landesärztekammer ein gemeinsames Treffen ukrainischer Ärzte aus dem Mutterland unter dem Vorsitz des Präsidenten des SFULT, Professor A. Bazylevych mit der UÄVD und dem Präsidenten des UÄVD Dr. V. Moroz, statt. Die Teilnehmer des Treffens besuchten das Dominikus Ringeisen Werk (medizinischer und pädagogischer Wohnkomplex für Menschen mit Behinderungen). Auch lernten sie die Arbeit der Allgemeinmedizin in der Allgemeinpraxis in der Stadt Ulm kennen.

Zum nächsten Präsidenten der UÄVD wurde Dr. A. Batruch gewählt (2020). In seiner Amtszeit wurde die informationelle Arbeit der UÄVD durch den verstärkten Einsatz sozialer Medien wie Facebook, Instagram und WhatsApp erweitert.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/179503/Andrzej-Batruch-Einsatz-fuer-bessere-Versorgung-in-der-Ukraine

Am 22. August 2020 fand in Wilhelmshaven ein Tagungsseminar statt. Anwesend waren Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen - Einwanderer aus verschiedenen Regionen der Ukraine. Ein Bericht über die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung während der Covid-19-Pandemie wurde verlesen und es wurden Fragen der besseren Integration junger Ärzte in das deutsche Gesundheitssystem diskutiert.

Ein weiteres Tagungsseminar fand am 20. September 2020 in Hannover im Pastorat St. Wolodymyr statt. An diesem Treffen nahmen Ärzte als Vertreter verschiedener deutscher Bundesländer, die als Einwanderer aus verschiedenen Städten der Ukraine: Kyjiw, Vinnytsa, Donbas, Iwano-Frankiwsk, Lwiw, Odesa, Sumy stammen, teil. Frau Dr. O. Ulan hielt einen Vortrag über ihre langjährige allgemeinärztliche Tätigkeit in der Praxis und Frau Professorin H. Shcherbata berichtete über ihre wissenschaftliche Tätigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Vom 1. - 3. Oktober 2020 fand in der Stadt Lwiw XVIII der Kongress SFULT statt, vom UÄVD wurden 2 Vorlesungen vorgestellt: Aktuelles Entwicklungskonzept der UÄVD (Dr. A. Batruch, K. m. n. Y. Verholen); Organisation der Spezialisierung nach der ärztlichen Ausbildung (O. Ukrainskyi).
Die UÄVD nahm an einer Videokonferenz Webinar Clinics oft the Future Ukrainian Medical Association of Great Britain (Innovative Behandlungsmethoden der depressiven Erkrankungen in Deutschland; K. m. n. Y. Verholen). Unsere Zusammenarbeit wurde in einem Webinar mit der Ukrainian Medical Association of Great Britain zusammen mit ukrainischen Ärzten fortgesetzt (Dr. T. Leinberger: Behandlung der schweren Formen von Covid 19 Infektionen auf der Intensivstation).
Im Zuge der Entwicklung unseres Vereins im Herbst 2020 musste die gemeinsame Arbeit während der Covid-19 Pandemie koordiniert werden: Übertragung von Seminartreffen ins Online-Format (Zoom) und die Verbesserung der Zusammenarbeit der UÄVD mit dem ukrainischen Ärzteverein in der Heimat. Während seiner privaten Reise in die Heimat traf sich der Sekretär der UÄVD Herr O. Matviychuk, mit dem Präsidenten der SFULT Prof. A. Bazylevych und dem Vorstand der UÄG Lwiw Dr. O. Duda.

Am 5. Dezember 2020 fand ein UÄVD-Online-Webinar (Zoom) mit dem Titel: „Dr. med. (Promotion in Deutschland) Bedingungen, Wege zum Erfolg“ statt. An dem Treffen nahmen Ärzte aus verschiedenen Bundesländern Deutschlands (Sachsen-Anhalt, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein - Westfalen, Hamburg) teil. Der Bericht unserer Kollegin Frau O. Bratus „Anwendung der mpMRT zur Prostatakarzinomdiagnostik“ wurde vorgetragen  und die Filmpräsentation von Frau S. Kulyk „Möglichkeiten der Promotion für ausländische Ärzte in Hamburg“ wurde vorgestellt.
75 Jahre sind nun seit der Gründung der ersten ukrainischen Ambulanz im fernen Ausland im Nachkriegsdeutschland vergangen. Bei regelmäßigen Treffen seit 1945 diskutierten und tauschten ukrainische Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Krankenschwestern und später Medizinstudenten Erfahrungen aus und lasen wissenschaftliche Arbeiten. Die UÄVD setzt die alten Traditionen fort und erweitert die Möglichkeiten ihrer Zusammenarbeit.
Anfänger und erfahrene Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Chirurgie, Herzchirurgie, Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Radiologie und andere) aus verschiedenen Bundesländern Deutschlands als Einwanderer aus verschiedenen Regionen und Städten der Ukraine (Kiew, Lwiw, Ternopil, Iwano-Frankiwsk, Luzk, Chernivtsi, Sumy, Poltawa, Tschernihiw, Winnyzja, Donbass und andere) teilen ihre Erfahrungen und verbessern ihr berufliches Niveau.
Unter uns gibt es hochqualifizierte Spezialisten die bereit sind, neue Behandlungsmethoden, Fähigkeiten, die auf den neuesten wissenschaftlichen Standards und Technologien basieren, mit ukrainischen Ärzten zu teilen, um deren berufliche Entwicklung in der Heimat zu verbessern.
Es ist geplant, die Zusammenarbeit mit den medizinischen Kammern verschiedener Bundesländer bei der Durchführung gemeinsamer Schulungen (NRW, Düsseldorf, Dr. O. Maykan) fortzusetzen und die Zusammenarbeit mit ukrainischen Ärzten im Heimatland bei der Durchführung gemeinsamer Seminarkongresse unter Beteiligung bekannter Wissenschaftler zu verbessern.
Es gibt viele Gleichgesinnte unter uns, denen das medizinische Behandlungsniveau und das Leben von Patienten in Krankenhäusern sehr wichtig sind. Zusätzlich zu ihrer beruflichen Entwicklung versuchen unsere Landsleute, unserem Vaterland zu helfen (etablierte Zusammenarbeit zwischen VNMI, benannt nach M. Pirogov und der Uniklinik Schleswig-Holstein, Dr. H. Lapshyn). In Zukunft planen wir, unsere gemeinsame Arbeit mit anderen ukrainischen medizinischen Gesellschaften in Europa und Nordamerika auszubauen.

Wohltätigkeit sollte auch dazugehören und aus tiefstem Herzen konnten wir mehr als einmal von unseren Kollegen hören, dass viele Ärzte sich langfristig für wohltätige Zwecke für unser Vaterland engagieren. Dr. I. Oribko tauscht nicht nur Berufserfahrungen aus, sondern unterstützt auch das Rehabilitationszentrum in Lwiw. Dr. G. Babyak, Dr. M. Rachkevych, Fr. O. Kuzyshyn, Fr. R. Kozub, Dr. O. Jakilaschek und andere bemühen sich sehr um den Austausch von Berufserfahrungen. Krankenhäuser, bedürftige Kinder in Waisenhäusern und Kriegsopfer (ATO) in verschiedenen Teilen der Ukraine erhalten auf Initiative unserer Kollegin vom Vorstand, Frau N. Pilipcuk, Medikamente, Kleidung, medizinische Ausrüstung, sowie kleine Geschenke zum Nikolaustag.
Der Präsident der UÄVD, Dr. A. Batruch, hat familiäre Wurzeln in den Regionen der Boykivshchyna, Lemkivshchyna, Kholmshchyna - dem Gebiet des heutigen Polens. Vor der „Operation Wisla“ (1947) lebte dort eine große ukrainische Gemeinde. Mehr als 140.000 Ukrainer wurden aus ethnischen Gebieten deportiert. Ein kleiner Teil der Bevölkerung blieb aus dem einen oder anderen Grund in diesen Gebieten oder wurde in verschiedene Teilen Polens deportiert. In den ehemaligen Dörfern blieben alte Holzkirchen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten, die schließlich zusammenbrachen und in Vergessenheit gerieten. Dr. A. Batruch schloss sich der Initiativgruppe für den Wiederaufbau der ukrainischen Kirche St. Nicholas in der Stadt Grabowce Polen an.

 © K. m. n. Y. Verholen 

Verwendete Materialien:
Dr. A. Batruch. Ukrainische Ärztevereinigung in Deutschland 65 Jahre. Hannover 2010
Erinnerungen des Präsidenten des UÄVD Dr./ Dr. I. Harabacz (1998 - 2006)
Erinnerungen den Präsidenten des UÄVD Dr. W. Moros (2017 - 2019 Archivmaterial des UÄVD

 

* http://dspace.bsmu.edu.ua/xmlui/bitstream/handle/123456789/10328/%D0%A3%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%97%D0%BD%D1%81%D1%8C%D0%BA%D1%96%20%D0%BB%D1%96%D0%BA%D0%B0%D1%80%D1%96%20-%20%D1%83%D1%80%D0%BE%D0%B4%D0%B6%D0%B5%D0%BD%D1%86%D1%96%20%D0%91%D1%83%D0%BA%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D0%BD%D0%B8.pdf?sequence=1&isAllowed=y

** http://ukrnationalism.com/history/3415-patriot-likar-vchenyi.html


*** http://pivnich.info/z-pleyady-zabutyh-chernihivtsiv-vasyl-plyusch-likar-istoryk-skaut/

**** https://uk.m.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B0%D0%B2%D0%BB%D0%BE_%D0%94%D0%B6%D1%83%D0%BB%D1%8C

 

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