18.09.13: Alternative für Deutschland (AfD)?

Kategorie: Pressemitteilungen
Erstellt: Mittwoch, 18. September 2013

68 Jahre nach Kriegsende scheint sich in Deutschland ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln, welches die nationalen Interessen des Landes zunehmend in den Mittelpunkt stellt. Dies ist sicherlich ein legitimer und natürlicher Vorgang. Doch was bedeutet es, wenn die verhältnismäßig junge, konservative Partei „Alternative für Deutschland“ davon spricht, sich auf Bismarck zu besinnen und Russland auf Kosten der Staaten, die dem jahrzehnte-, teilweise jahrhundertelangen Würgegriff des großen Bären ausgesetzt waren, zu stützen.

Wie ist es zu verstehen, wenn der stellvertretender Bundessprecher Alexander Gauland feststellt, dass „…Russland die Loslösung des "heiligen Kiew", der Keimzelle Russlands, nie verwunden…“ habe?

Ist das vergleichbar mit dem Verlust der ehemaligen deutschen Ostgebiete in Polen oder auch Tschechien? Handelt es sich um ein Gedankenspiel über eine mögliche Neuordnung Europas?

Was auch immer Herr Gauland und mit ihm die Alternative für Deutschland im Sinn gehabt haben mag – bei all dem sollte nicht vergessen werden, dass Russland durch eine lange, blutige Tradition, die euphemistisch als „Sammeln von Ländereien“ bekannt geworden ist, zu imperialer Größe gelangte. Seinen Höhepunkt erreichte Russland in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, in welche die Ukraine aber trotz allem nicht als Teil Russlands, sondern als eigenständiger Staat einging. Allerdings war die Sowjetunion nur eine imperiale Fortsetzung des Zarenreiches – auch bekannt als Völkergefängnis.

Wenn also davon gesprochen wird, dass Russland die Loslösung Kiews nicht verwinden kann, muss man sich allen Ernstes fragen, womit man es hier zu tun hat. Fand nicht ähnliches 1938 in München statt, als Großbritannien und Frankreich faktisch die Tschechoslowakei verkauften, um “Frieden für unsere Zeit“ zu sichern?

Die „Alternative für Deutschland“ sollte sich entscheiden, ob sie eine Machtpolitik des 19./20. Jahrhundert wiederaufleben lassen möchte mit allen möglichen Konsequenzen, die die europäischen Länder in 20. Jahrhundert erlebt haben, oder ob sie doch die Flagge der europäischen Werte, allen voran Demokratie und Menschenrechte, hochhalten möchte. Mit ihren wenig taktvollen Äußerungen hinsichtlich der Ukraine, die heute Spielball geopolitischer russischer Interessen ist und medienwirksam unter Einsatz großer finanzieller Ressourcen bekämpft wird, manövriert sich die AfD argumentativ ins Abseits.

Daher ist sie nicht nur für Deutsche ukrainischer Abstammung, ukrainische Diaspora in Deutschland, in Deutschland lebende Ukrainer, aber sicher auch für Bürger, denen der Begriff Freiheit und Selbstbestimmung etwas bedeuten, bei der Bundestagswahl mit Sicherheit keine wirkliche „Alternative“.

Der Dachverband der Ukrainer in Deutschland koordiniert die Aktivitäten der ukrainischen Vereinen und Organisationen in Deutschland und vertritt die Interessen von mehr als 130.000 Ukrainer die in Deutschland leben und dort ihren zweiten Heimat gefunden haben. Der Dachverband ist ein Mitglied des Weltkongresses der Ukrainer, eine Nichtregierungsorganisation, die die Interessen von mehr als 20 Mio. Ukrainer weltweit repräsentiert.

 

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